Handwerksbetriebe, die Schulungen für Kunden anbieten, informieren damit über ihre Produkte, zeigen auf, wie viel Arbeit im Handwerk steckt, bauen so Bindungen auf und schaffen Verständnis für die Preisgestaltung.
Mit Kundenschulungen generieren Handwerksbetriebe nicht nur zusätzlicher Umsatz, sondern arbeiten auch an einem positiven Image für den eigenen Betrieb und das gesamte Handwerk, so die Information der Handwerkskammer Konstanz.
Denn auch wenn sie es nun könnten, würden die wenigsten Kunden nach einem Kurs ihr Brot selbst backen oder sich ihre Kleidung selbst nähen. Stattdessen entstehe eine kostbare Kundenbindung, von der Handwerk und Betrieb profitieren.
Ein Beispiel ist die Backstube von Bäckermeister Manuel Beha aus Villingen. Seit letztem Jahr bietet er Kurse an, in denen er sein Wissen rund um Brot und Brötchen weitergibt. Dafür ernte er großen Zuspruch. Auch Schneidermeisterin Kathrin Beck aus Wellendingen gibt ihr Handwerkswissen in Nähkursen weiter. Marcus Storz von der Storz Heiztechnik GmbH in Aichhalden bietet zahlreiche Informationsveranstaltungen an. Zusätzlich schult er deutschlandweit Betriebe für Sanitär-, Heizungs- und Klimatechnik in seiner »SHK Academy«.
Attraktivität steigern und Vertrauen aufbauen
Marcus Storz sieht keine Gefahr darin, dass die Kunden mit der Information dann eine Heizung im Internet kaufen. »Wir verfolgen einen ganz anderen Ansatz. Von der engen Kundenbindung profitiert der Betrieb. Wir machen das, um am Markt attraktiv zu bleiben – für Kunden und Mitarbeitende«, erläutert er.
In den Schulungen bei Storz klärt zunächst ein externer Experte über sämtliche Möglichkeiten und Vorgaben rund um die Heizung auf. Kunden benötigten Klarheit, wenn sie seine Heizung erneuern möchten, denn hier gebe es mittlerweile viele Regeln und nicht jede Heizung passe zu jedem Haus. »Deswegen ist es mir wichtig, durch einen externen Referenten zunächst einmal neutral zu informieren. Das schafft Vertrauen und Verbindlichkeit.«
Laut seiner Angabe besuchen durchschnittlich ca. 40 Personen die Veranstaltungen. »Die Kunden en bloc zu informieren, spart Zeit und hält die Prozesse schlank. Die Kunden sind damit sehr zufrieden und es fällt auf, was wir machen.« Aus den Angeboten ist dann die »SHK Academy« entstanden. Mittlerweile schule das Handwerksunternehmen deutschlandweit rund 27 Betriebe, Tendenz steigend. »Wir machen das Handwerk vor Ort mit Branchenwissen stark. In der SHK-Branche reicht ›viel Arbeit‹ längst nicht mehr.«, so Storz. Denn das bedeute nicht unbedingt, dass die vielen Aufträge auch Gewinn abwerfen. Um die Betriebe stabil aufzustellen, sei ein Umdenken erforderlich, ein neues System. »Und das bieten wir an.«
Kreativität neu entdecken und sich austauschen
Kathrin Beck gehört die Kindermodenmanufaktur piapaul in Wellendingen bei Rottweil. In ihrem Nähatelier gibt die Schneidermeisterin regelmäßig Kurse – auch, um das Handwerk am Leben zu halten. »Handwerk ist Tradition. Wenn es keiner mehr beherrscht und weitergibt, dann stirbt diese Tradition aus«, sagt sie. »Viele Mamas können nicht mehr nähen. In ihren Berufen fehlt ihnen häufig das Ausleben von Kreativität«, hat Beck die Erfahrung gemacht. In ihren Kursen könnten sie kreativ sein und lernen, das Handwerk wieder wertzuschätzen.
»Ich gebe mein Wissen gerne weiter, da die Frauen durch die oft aufwändige Näharbeit auch eine andere Relation zu Bekleidungspreisen und Handwerk überhaupt bekommen«, sagt die Schneidermeisterin. »Die Frauen wollen gar nicht alles können. Ihnen ist das Miteinander wichtig. Wenn ich die Freude sehe, dann bekomme ich die Energie, die ich in einen Kurs gesteckt habe, doppelt zurück«, sagt sie.
Wertschätzung fürs Handwerk aufbauen

Bäckermeister Manuel Beha hat zum 100-jährigen Bestehen seiner Bäckerei einen Männerbackkurs angeboten. Die Nachfrage sei so hoch gewesen, dass weitere Kurse folgten, auch einer für Frauen, sagt er. »Es ist toll, den Teilnehmenden zu zeigen, wie schön, wie aufwendig und wie vielfältig unser Handwerk ist«, erzählt er.
Die Teilnehmenden lernten auch, dass das alles gar nicht so einfach ist. Er sieht das Angebot nicht nur als Kundenbindung, sondern will damit den Teilnehmenden das Handwerk näher bringen. Auch Hobbybäcker können sich ein paar Tricks abschauen. Sorge, dass die Leute künftig alles allein daheim backen, die hat Beha nicht, im Gegenteil: »Die Wertschätzung für das Handwerk wird wieder geweckt«, ist er überzeugt. [pm]