Wirtschaftsforscher des EPoS Economic Research Centers haben ein Tracking-Tool entwickelt, um die Inflationserwartungen von Verbrauchern in Echtzeit zu überwachen. Grundlage sind Posts auf X.

Der Index des Inflations-Frühwarnsystems soll Erwartungen schneller als herkömmliche Instrumente erfassen, die meist mit großen zeitlichen Abständen erfolgen. Mit dem neuen Index soll sich zudem die Wirkung politischer Maßnahmen überwachen lassen.

Unser Social-Media-Index, der auf Postings von X basiert, ist ein effektives Frühwarnsystem für die tatsächliche Inflation und verbessert kurzfristige Prognosen entscheidend. Die Inflationserwartungen der Verbraucher zu messen ist wichtig: Denn heutige Entscheidungen zu Ausgaben basieren darauf, wie Menschen das Preisniveau von morgen einschätzen. Unser Index ist direkt am Puls der Verbrauchererwartungen und zeigt an, sobald sich die Inflationsdynamik verändert.« (Benjamin Born vom EPoS Economic Research Center hat den Index gemeinsam mit Forscher-Kollegen entwickelt)

Die Ökonomen werteten nach eigener Angabe insgesamt mehr als 12 Millionen deutschsprachige Posts im Themenfeld Inflation von über einer Million Nutzer aus.

Inflationserwartungen beeinflussen Kaufentscheidungen und Finanzmärkte

Wenn der Index steigt, kürzen Haushalte kurz darauf ihre Ausgaben — insbesondere bei Anschaffungen, die sich aufschieben oder ersetzen lassen, so stellten die Forscher fest. Darin zeige sich ein bekanntes Muster: Wenn Verbraucher mit einer höheren Inflationsrate rechnen, geben sie weniger für Anschaffungen aus, die nicht lebensnotwendig sind. Dazu zählen beispielsweise Elektronik oder Möbel. Unternehmen, die in solchen Branchen tätig sind, erzielen in der Folge geringere Renditen an der Börse, denn die Nachfrage nach ihren Produkten geht zurück.

Index fällt nach EZB-Entscheidungen

Es wurde auch festgestellt, dass der neue Index auch auf geldpolitische Entscheidungen der Europäischen Zentralbank reagiert: Nach einer unerwarteten Straffung der Geldpolitik falle der Indikator innerhalb von etwa einer Woche, vor allem in Zeiten hoher Inflation. Im Vergleich zu Standard-Erhebungsmethoden wie Umfragen reagiere der Social-Media-basierte Index deutlich schneller. Inflationserwartungen könnten sich schnell ändern und mit diesen Entwicklungen müssten die Indikatoren Schritt halten.

»Generell sollten politische Entscheidungsträger heute Echtzeit-Indikatoren wie beispielsweise unseren Tweet-basierten Index nutzen. Damit lassen sich geänderte Inflationserwartungen rasch erkennen. Ein Echtzeit-Tool hilft außerdem, die Wirkung politischer Ankündigungen zu bewerten und die Kommunikation bei Bedarf anzupassen«, so Born.

Die Einzelheiten veröffentlicht das EPoS Economic Research Center der Universitäten Bonn und Mannheim im Diskussionspapier »From Tweets to Transactions: High-Frequency Inflation Expectations, Consumption, and Stock Returns« (Direktlink zum PDF, ca. 2 MB). [pm]